TSV Geschichte


Das Königreich Württemberg war ein Bundesstaat des wilhelminischen Deutschen Kaiserreiches von 1871. Jenes unterlag der Reichsgesetzgebung.

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In Stuttgart residierte König Wilhelm II. Er regierte im Einvernehmen mit dem Württembergischen Landtag. Ministerpräsident war Karl von Weizsäcker, der Vater des späteren Bundespräsidenten.

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In der Gemeinde bestand neben dem Gemeinderat ein Bürgerausschuß. Ihm oblag die Aufsicht über den Gemeinderat. Alle wichtigen Verhandlungspunkte wurden in gemeinsamer Sitzung beider Gremien beraten. Die Abstimmung erfolgte jedoch getrennt.

1911
Die Gremien befaßten sich mit der Einrichtung der elektrischen Beleuchtung im Rathaus und im Schulhaus.

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Die Straßenbeleuchtung wurde seither vom Polizeidiener eingeschaltet und vom Nachtschutzmann ausgeschaltet. Jetzt beschaffte man eine Schaltuhr.

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Die neue Straße nach Endersbach und zur Haltestelle Stetten wurde jetzt erstmals bewalzt.

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Über die Weinlese wurde zum Bahnhof Endersbach ein Extrapostverkehr eingerichtet. Das zu erwartende Weinquantum im nahenden Herbst wurde auf 1500 hl geschätzt.

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Zum Gedenken an die Gründung des Deutschen Reiches vor 40 Jahren veranstaltete die Gemeinde im Gasthaus "Zum Hirsch" eine Veteranen-Ehrung. 13 Veteranen und Veteranenwitwen (Deutsch-Französischer Krieg 1870/71) wurden je mit einem Geldgeschenk von 5 Mark bedacht. Die Schüler der Volksschule erhielten zur Feier des Tages eine Brezel.

1912
1912, zwei Jahre vor dem ersten Weltkrieg, wurde der TSV Strümpfelbach gegründet. Es war das Jahr, als China eine Republik wurde und der Luxusdampfer Titanic einen Eisberg rammte und sank. Die Firma Krupp feierte ihr einhundertjähriges Jubiläum und Gerhard Hauptmann bekam den Nobelpreis für Literatur. Eine Rekordbeteiligung verzeichneten die Olympischen Spiele in Stockholm, Pierre de Coubertin verfaßte unter dem Pseudonym Georges Hohrad eine "Ode an den Sport". Er bekam für diesen Beitrag die Goldmedaille. Der Schwimmer Walter Bathe gewann die Wettbewerbe über 200 m und 400 m Brust und Paul Günther das Kunstspringen.

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Oberbürgermeister Dr. von Mühlberger, Esslingen, ergriff eine bedeutende Initiative. Er wollte eine Automobil-Verbindung Esslingen - Schurwald - Remstal schaffen und besuchte unseren Ort mit dem Verkehrsausschuß der bürgerlichen Kollegien von Esslingen, um die Strecke zu inspizieren. Ortsvorsteher Kümmel war für ein solches Vorhaben sehr aufgeschlossen und empfahl dem Gemeinderat und dem Bürgerausschuß dringend, die Gemeinde solle sich an der Sache beteiligen. Die bisher schlechte Postverbindung könne dann drei- bis viermal täglich eingerichtet werden und der Fremdenverkehr werde sich ganz bedeutend steigern. Das Geld, das die Fremden hereinbrächten, komme indirekt allen zugut. Es sei eine außerordentlich günstige Gelegenheit, gemeinschaftlich mit der Stadt Esslingen eine moderne Verkehrsverbindung zu schaffen, die wohl nie wiederkehre. Bei der geheimen Abstimmung haben sämtliche Mitglieder des Gemeinderats mit Nein gestimmt. Im aufgeschlosseneren Bürgerausschuß wurden 4 Stimmen mit Ja und 4 mit Nein abgegeben. Der Ortsvorsteher bedauerte den Beschluß des Gemeinderats, den er als nicht im Interesse der Gemeinde ansehe. "Zu machen ist aber nichts.", heißt es im Gemeinderatsprotokoll. Das Vorbringen scheiterte , weil die Gemeinde infolge Straßenbau und Wasserleitungsbau schon so sehr belastet sei, daß sie nichts Neues mehr anfangen könne. "Auch haben die Weingärtner keinen Nutzen von der Kraftwagenverbindung."
(Gemeinderatsprotokoll)

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Infolge des Frostes in den Nächten vom 4./5. und 5./6. Oktober 1912 ist der größte Teil der Weinernte vernichtet worden. "Eine Offnung der Keltern ist leider nicht mehr erforderlich."
(Gemeinderatsprotokoll)

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Wegen schlechten Weinernten haben sich immer mehr Weingärtner der Viehzucht zuwenden müssen. Sie hatten aber zu wenig Futterwiesen. Die Grundstücke im Tal seien zu teuer, um als Wiesen verwendet zu werden - 1 qm koste in dem Feld entlang der neuen Straße 1 Mark. Aus dem Bürgerausschuß kam deshalb der Vorschlag, im Breitgarten westlich der Straße nach Schanbach 26 ha 35 Ar Wald auszustocken und als Futterwiesen anzulegen und alsdann zu verpachten, wie es auch die Gemeinde Schanbach nebenan unternommen und dabei gute Erfahrung gemacht habe. Die Waldausstockung wurde alsdann beschlossen. Anstelle von Futterwiesen grüßen uns heute aber viele Pachtgrundstücke, das Naturfreundehaus und die Kirschbaumanlage, insgesamt als Anlage zur Erholung vieler Wanderer und Spaziergänger und zu guter wirtschaftlicher Nutzung.
 
   
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